Bibelarbeit zu Apostelgeschichte 17, 1-15

von Michael Strauch


Gedanken:


Paulus und Silas suchen auf ihrer Missionsreise immer erst einen Punkt/Ort/Personen auf, wo sie anknüpfen können. Das waren in diesem Fall die Synagogen. Die Juden kannten das AT. Diese Barriere war schon einmal genommen. Wenn wir etwas gemeinsam haben, ist es einfach leichter, ins Gespräch zu kommen als umgekehrt. Über den Glauben zu sprechen, sprich über Überzeugungen schafft im Gegenüber immer erst einmal eine kritische Haltung. Darum wäre es gut, wenn die gläubigen Juden vor Ort gewonnen werden könnten. Diese sind schon lange in diesem Ort und können, einmal zu Jesus bekehrt, vielleicht an bestehende Beziehungen leichter anknüpfen. Was Paulus also möchte ist eine Art geistliche Kettenreaktion. Es heißt: “wie nun Paulus gewohnt war...!” Sicher ist aber auch, dass Paulus davon ausging, dass die Juden eine Art Vorrecht hatten, das Evangelium zu hören.




1. Missionsstrategie - Anknüpfen an Bestehendes




Suche nach Menschen, wo man von der Bibel anknüpfen kann. Wie kann das gehen? Hier werden wir versichert, wie wichtig die Kinder-und Jugendarbeit ist. Kinder sind noch sehr empfänglich für Geschichten aller Art. Für sie ist die Existenz Gottes kein Problem. Es gilt also immer bei der Missionsarbeit, Kinder mit dem Evangelium zu erreichen. In 2.Tim 3,15 sagt Paulus: “und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst...” Paulus konnte darauf nicht bauen, weil es das Christentum in dieser Vielfalt nicht gab. Er baute auf das Judentum. Wir werden sehen, wie schwer es für Paulus war, in Athen sich auf nichtreligiöse Texte zu berufen.

Wenn wir heute eine gute und breite Kinder-und Jugendarbeit machen - und zwar besonders unter Kindern von Nicht-Christen, dann besteht später vielleicht eine größere Möglichkeit, mit diesen Menschen über die Bibel ins Gespräch zu kommen. Aus diesem Grunde ist die Kindertaufe meines Erachtens sehr wertvoll, weil sie “eine Gewohnheit im Volk” darstellt, über die man später im Erwachsenenalter ins Gespräch kommen könnte.

In Beutelsbach wird die Kinderarbeit groß geschrieben. Auch wenn die Kinder mal später nicht dazu stoßen, so tragen wir doch wesentlich dazu bei, dass der Boden aufgelockert wird für das Evangelium. Die Jugendarbeit in gleicher Weise.



Gedanken:



Paulus geht nun in die Synagoge und was tut er? Er lehrt. Kürzlich waren Christen bei euch zu Besuch von Birkmannsweiler. Ich habe Beutelsbach immer als Vorbild dargestellt einer Gemeinschaftsarbeit. Auch angeregt durch den GD Anders in Steinach und durch meine Bitte, mehr zentral Gemeinschaftsarbeit aufzubauen - wollen nun einige eine Art Stunde Anders ins Leben zu rufen. Wolfgang Müller sagte dann: wenn ein Profi da ist, dann geben wir ihm Raum, allein zu lehren. In der Synagoge gab man dem Paulus sogar drei Tage, damit er einfach mal ausholen konnte, um biblische Linien zu ziehen und auf Christus zu übertragen. Die Form der Stunde mit vielen Rednern legt das Gewicht auf die Vielfalt. Jeder bringt seine Gedanken in das Ganze hinein. Ähnlich war es in der Synagoge. Da konnte man aufstehen, nach vorne gehen und lehrhaft etwas beitragen zu irgend einem Abschnitt aus der Bibel. Bei Jesus und den Aposteln finden wir aber eher die Predigt eines Menschen, dem der Herr die Gabe der Lehre geschenkt hat, was die andere Form nicht ausschließt.

Doch auch hier gilt der Gedanke: wo kann ich anknüpfen, wenn Menschen von außen in unseren Reihen sitzen? Wo werden alle Menschen “ge-bzw. belehrt? Zuerst von den Eltern. Entweder von der Mutter und/oder vom Vater. Dann später in der Schule. Es ist immer so, dass Eltern wie Lehrer Menschen sind, die Wissen und Vermittlung von Wissen gelernt haben. Jesus bildete dazu 12 Jünger aus und sagte erst einmal explizit zu ihnen, dass sie lehren sollen. Darum hat es sich eingebürgert, dass der Pfarrer in der Kirche das Wort auslegt und in den Freikirchen die Pastoren und Ältesten. Ich meine, dass ist kein Gesetz der Meder und Perser. Aber auch ein Redner sollte eine gewisse Qualifikation besitzen. Wer in der Kirche predigen will, muss eine Ausbildung absolvieren. Bei uns sollte es nicht anders sein. Aber viel wichtiger ist, dass ein Redner, gleich ob mit oder ohne Ausbildung, Zeit haben muss, um vom Text die Linien zu Christus ziehen zu können. Darum ist es richtig, dass ein Elias Schrenk eben drei Wochen lang evangelisiert hat!

Die Menschen von außen haben ja keinerlei Vorkenntnisse.




2. Missionsstrategie




Die Lehre. Eine gute Lehre muss immer auf Christus bezogen sein. Auf sein Kreuz, auf sein Leiden und Auferstehen. Der Lehrer zieht stets die großen Heilslinien von jedem Text zu Jesus. Ziel ist es, dass Christus zum Zuhörer vor Augen steht. Dazu ist es notwendig, dass der Redner Zeit hat. Dass man auch mal mehrere Tage hin einander über ein Thema spricht.


Gedanken:


Die Folge solcher Predigt ist, dass Menschen allein durch das Hören von Christus zum Glauben kommen. Aber - und das scheint mir wichtig - es waren Menschen, wo schon was da war:




- Juden

- gottesfürchtige Griechen

- angesehene Frauen



Wo Menschen zum Glauben kommen, entsteht der Streit über Mitgliedschaft und Einfluss! Wenn alle Kirchen die Garantie hätten, dass wir über eine bestimmte Personenzahl nicht hinauswachsen würden, wie könnten morgens Gottesdienst halten etc. Aber sobald eine Arbeit wächst, sobald Menschen - und besonders angesehene Personen - dazu stoßen, wird man hellhörig. Es entsteht Druck und Kampf. Paulus sagt in 2Tim 3, 12: “Und alle, die fromm leben wollen in Christus Jesus, müssen Verfolgung leiden!”

Wenn ihr als Gemeinschaft mit allen - auch liberal gesinnten - Menschen gut auskommt und ihr niemanden ärgert, dann seid ihr kein Salz und Kinder im Glauben. Unser Ziel muss es sein, Menschen zu gewinnen für Christus. Und dafür wollen wir alles tun, was die Schrift uns explizit nicht verbietet. Dann kann es aber passieren, dass wir Ärger bekommen, vielleicht sogar mit dem Staat. Verleumdungen, satanische Angriffe, Zorn, Wut und dergleichen mehr - gerade von Gläubigen können massiv auftreten. Das Wort Gottes verursacht immer Kampf und Streit - das ist der Weg, den das Wort zu nehmen pflegt. Es ist kein Haarkamm, sondern ein Schwert.



Was ist nun neben der Mission Aufgabe der Gemeinde?



Die Juden in Beröa prüften anhand der Schrift, ob es sich so verhielte. Alle Christen sind aufgerufen, eine Predigt ob im Gottesdienst oder in der Stunde stets anhand der Schrift zu prüfen. Wir Menschen sind einfach viel zu schnell in einem Fahrwasser drin und jeder verläßt sich auf den anderen, dass er es schon richtig weiß. Wenn ich z.B. ein Versicherungsmakler wäre, dann sagen sie sich ja auch nicht, es wird schon alles stimmen, was ich sage. Sie werden den Vertrag jedesmal intensiv durchlesen, bevor sie es unterschreiben. Mit der Predigt ist es nicht anders. Ich erlebe viele Stundenbrüder, die das Gemeinschaftsblatt als Grundlage ihrer Verkündigung benutzen. Ich halte das für falsch und für gefährlich. Jeder Christ hat den Heiligen Geist empfangen, und jeder hat einen Kopf zum Denken. Die Schrift will immer wieder neu durchdacht, geprüft und angewandt werden. Viele unselige Frömmigkeitsstile hätten nie Gestalt gewinnen können, hätte man in der Schrift gelesen. Und eine Reformation hätte es nie gegeben, hätte ein Mönch nicht in der Schrift geprüft. Und den Pietismus hätte es nie gegeben, wenn Menschen von damals die damalige Frömmigkeit ihrer Zeit anhand der Schrift nicht in Frage gestellt hätten.